Eine fromme  Legende...
 
Germershäuser      Wallfahrtssage
Vor alter Zeit sah eines abends ein Schäfer aus einem hohlen Weidenbaume ein helles Licht schimmern. Da seine Furcht größer  war als seine Neugierde, wagte er nicht, näher zu treten. Als er am anderen Morgen bei Tagesgrauen seine Schäferhütte verließ, war 
sein erster Gang zu dem Baume. Und siehe, er fand darin ein Bildnis der Gottesmutter mit dem Jesukinde. An der Fundstelle wurde nun eine Kapelle erbaut und die Muttergottesstatue darin aufgestellt. 
Das Bild erfreute sich bald in der ganzen Umgebung großer Verehrung.
Da aber der Kapellenplatz in einer niedrigen Wiese lag, so kam es vor, daß er bei eintretendem Hochwasser von der angeschwollenen Suhla dermaßen überschwemmt wurde, daß die Kapelle unter der Feuchtig- keit zu leiden hatte, infolgedessen faßten die Bewohner von Germershausen den Plan, auf einer höher  gelegenen Stelle des Dorfes, der noch heute “Kirchberg” heißt, eine neue und zwar größere und schönere Kapelle zu erbauen. Man fing an, Steine und Holz auf die für  den Neubau bestimmte Anhöhe zu fahren. Allein am anderen Morgen lag das Bau- material in der Niederung bei der aten Kapelle. Die Leute verwunderten sich darüber und manche sprachen die Vermutung aus, daß ihnen wohl ein Schabernack gespielt worden sei. Es wurden deshalb Holz und Steine abermals auf die Anhöhe geschafft. Jedoch am anderen Morgen lag alles wieder an der vorigen Stelle. Um nun hinter das Geheimnis zu kommen, wurden die Bausachen zum dritten Male auf die Anhöhe gebracht, und einige beherzte Männer entschlos- sen sich, während der Nacht auf dem Hügel sich zu verbergen und genau achtzugeben, was vor sich gehen würde.
Der Mond stand hinter den Wolken und der ganze Himmel war trübe. Auf einmal hellte sich der Himmel auf, und der Mond schien klar und lieblich auf die Erde. Da schritt eine weißge- kleidete Frauengestalt übe den Bauplatz und befestigte an einem Steine e Die ine Schnur. Dann schritt sie mit dem Bande in der Hand den Abhang hinunter, und alle Steine folgten dem ersten, wie wenn sie mit ihm verbunden wären. Die Frau begab sich bis zu der Stelle, wo das alte Kapellchen stand. Dann kehrte sie wieder um und holte in derselben Weise das Holz. Darauf verschwand sie. Voll Staunen hatten die Männer das Tun der holdseligen Erscheinung angesehen. Als nun die Ortsbewohner von dem seltsamen Vorgang hörten, beschlossen sie, die neue Kapelle an der von der Gottesmutter selbst bezeichneten Stelle zu errichten, was dann also gleich ausgeführt wurde. 
(Entnommen: G. Wolpers, Der Gnadenort Germershausen.Geschichtliche Entwicklung der Wallfahrt und des Klosters, Duderstadt 1914)